Von Baptiste Murier, Antiquitätenhändler und Trödler in der Île-de-France.
Der Wert alter Postkarten hängt zuerst vom Motiv ab, dann vom Zustand und schließlich von der Seltenheit. Ansichten bekannter Denkmäler und Landschaften wurden in sehr großer Zahl gedruckt und sind wenig gefragt. Belebte Dorfszenen, alte Berufe, Ereignisse und bestimmte Fotopostkarten sind viel gesuchter. Und eine Sammlung, die vollständig bleibt, ist oft mehr wert als die Summe ihrer einzeln aussortierten Karten.
Was ist Postkartensammeln?
Im Französischen heißt das Sammeln von Postkarten „cartophilie“. Die Sammler sammeln meist nach Thema: ein Departement, eine Gemeinde, ein Beruf, Verkehrsmittel, ein Illustrator.
Sie werden oft drei Abkürzungen sehen:
- CPA, carte postale ancienne, für die ältesten Karten;
- CPSM, carte postale semi-moderne, oft mit gezacktem Rand;
- CPM, carte postale moderne.
Die Sammler suchen vor allem CPA, besonders die vom Anfang des 20. Jahrhunderts.
Warum sind Karten von 1900 bis 1920 so gefragt?
Das ist das goldene Zeitalter der Postkarte. Rund um die Weltausstellung von 1900 drucken die Verlage Karten in Millionen. Die Fotografen kommen in jede Stadt und jedes Dorf: der Bahnhof, die Kirche, die Schule, das Café, die Hauptstraße, das Waschhaus. Für viele kleine Gemeinden sind diese Karten die einzigen Bilder aus jener Zeit.
Ein nützlicher Anhaltspunkt zum Datieren: In Frankreich diente die Adressseite bis etwa 1904 nur der Adresse. Die Nachricht schrieb man neben das Bild. Danach wird diese Seite geteilt, links die Nachricht, rechts die Adresse.
Auch der Erste Weltkrieg bringt seine Karten: patriotische Karten, bestickte Karten, Soldatenpost, die portofrei verschickt wurde.
Belebte Ansichten oder Landschaften: Welche sind mehr wert?
Eine „belebte“ Karte zeigt Menschen: einen Markt, Schulschluss, ein Fest, ein Ladengeschäft mit dem Händler in der Tür, einen Bahnhof mit seinem Zug. Diese Lebensszenen suchen die Sammler.
Eine Ansicht des Eiffelturms, einer Kathedrale oder eines berühmten Strandes wurde dagegen in sehr vielen Exemplaren gedruckt. Sie hat selten großen Wert, selbst wenn sie sehr alt ist.
Auch der Ort zählt. Ein kleines, selten fotografiertes Dorf ist seltener als eine große Stadt. Und jede Karte interessiert vor allem die Sammler ihres Departements oder ihrer Gemeinde.
Alte Berufe, Ereignisse, Verkehr: die gesuchten Themen
Alte Berufe
Scherenschleifer, Brotträgerin, Obst- und Gemüsehändler mit Karren, Lumpensammler, wandernder Glaser: Karten mit alten Berufen, in Paris wie in der Provinz, bilden eine eigene Kategorie. Sie zeigen Handgriffe und Kleidung, die verschwunden sind.
Ereignisse
Ein Hochwasser, ein Streik, ein Brand, eine Einweihung, ein Dorffest, eine Flugschau. Das Seine-Hochwasser von 1910 in Paris zum Beispiel hat eine große Menge Karten hervorgebracht. Je lokaler und seltener fotografiert das Ereignis, desto seltener die Karte.
Verkehr und alte Arbeitswelt
Straßenbahnen, Bahnhöfe, erste Autobusse, Mühlen, Fabriken, Werkstattinneres: Alles, was Arbeit und Verkehr jener Zeit zeigt, ist gefragt.
Illustratoren und Fantasiekarten
Manche Karten sind Werke von Illustratoren, wie die Jugendstilkarten von Mucha oder Raphael Kirchner. Andere haben eine Mechanik: ein bewegliches Teil, einen Ausschnitt, eine Stickerei. Sie werden um ihrer selbst willen gesammelt.
Haben Fotopostkarten einen Wert?
Eine Fotopostkarte ist ein echtes Foto, abgezogen auf Papier mit Postkartenrückseite, oft in sehr wenigen Exemplaren. Ein Familienporträt ohne Namen oder Ort ist wenig gefragt. Ein Ladengeschäft, eine Dorfstraße, eine Schulklasse oder eine Werkstatt mit Ortsangabe können Sammler dagegen sehr interessieren. Was auf der Rückseite steht, ein Name, ein Ort, ein Datum, hilft bei der Bestimmung.
Der Zustand: Was senkt den Wert?
Diese Mängel zählen:
- geknickte oder abgerundete Ecken;
- Falten und Brüche;
- Risse, Reißzwecklöcher;
- Flecken, Feuchtigkeitsspuren;
- Kleber- oder Klebebandspuren;
- abgerissene Briefmarke, ausgeschnittene Karte.
Eine beschriebene und frankierte Karte ist dagegen nicht beschädigt. Bei einer alten Karte ist das normal. Der Poststempel hilft sogar, sie zu datieren.
Sollte man die Sammlung zusammenhalten?
Ja, mindestens bis zur Schätzung. Eine Sammlung wurde oft von einer Person über Jahre aufgebaut, nach Region oder Thema. Das Ganze erzählt etwas, und ein Käufer will es vollständig sehen.
Die „schönsten“ Karten herauszunehmen, um sie einzeln zu verkaufen, kann das Interesse am Rest senken. Behalten Sie auch das Album, die Schachteln und die Ordnung, selbst wenn sie Ihnen durcheinander erscheint.
Wie bewahrt man alte Postkarten auf?
- Passende Hüllen: aus Polypropylen oder Polyester, ohne PVC, das das Papier mit der Zeit schädigt.
- Eine Schachtel oder ein Ordner: Karten locker eingeordnet, nicht gequetscht und nicht geknickt.
- Ein trockener, gemäßigter Ort: kein feuchter Keller, kein zu heißer Dachboden, geschützt vor Licht.
- Saubere Hände: Halten Sie die Karten an den Rändern.
Was Sie nicht tun sollten
- Kein Klebeband, weder um einen Riss zu reparieren noch um eine Karte zu befestigen.
- Kein Kleber, keine Schrift, keine Stempel auf den Karten.
- Kein hastiges Sortieren: Ziehen Sie die Karten nicht aus alten Alben. Wenn eine Karte festsitzt oder angeklebt scheint, lassen Sie sie an ihrem Platz.
- Keine Briefmarken ablösen.
- Kein Sortieren in den Müll: Werfen Sie „Doppelte“ oder Karten, die Ihnen gewöhnlich erscheinen, nicht vor der Schätzung weg.
Wie entsteht der Preis einer alten Postkarte?
Es gibt keinen festen Preis. Es gibt Bewertungskataloge, aber sie geben Anhaltspunkte, keinen garantierten Preis. Der tatsächliche Preis hängt von den Sammlern ab, die dieses Motiv gerade suchen.
Seien Sie auch bei Online-Anzeigen vorsichtig: Ein verlangter Preis ist kein Verkaufspreis. Eine teuer angebotene Karte kann monatelang keinen Käufer finden. Für eine richtige Vorstellung muss man Motiv, Zustand und Seltenheit Karte für Karte ansehen, dann die Sammlung als Ganzes.
Wie lassen Sie Ihre alten Postkarten schätzen?
Alte Postkarten gehören zu unseren Schwerpunkten. Für eine erste Einschätzung schicken Sie ein paar Fotos: die ganze Sammlung, einige Albumseiten und ein paar Karten von vorn und hinten. Nennen Sie uns auch die ungefähre Zahl der Karten und die Regionen oder Themen.
Die Schätzung alter Postkarten ist kostenlos und unverbindlich, anhand von Fotos oder bei Ihnen zu Hause. Sammlungen findet man oft beim Räumen eines Hauses: Wenn das bei Ihnen so ist, lesen Sie auch die Seite Antiquitätenhändler für Nachlässe und den Ratgeber zur Wohnungsentrümpelung in Paris. Sie können uns am Wochenende auch an unserem Stand auf dem Flohmarkt Puces de Vanves ein Foto zeigen.
Sie möchten alte Postkarten schätzen lassen? Schicken Sie uns drei oder vier typische Karten, nur die Vorderseite, per WhatsApp an 06 24 56 38 58 (aus dem Ausland +33 6 24 56 38 58): Wir sagen Ihnen, ob die Sammlung einen Besuch wert ist. Wir kommen in Paris und der Île-de-France kostenlos zu Ihnen.




